TAPETE – Der Wille lenkt die Tat
by daniel on Mar.20, 2010, under Musik
Eigentlich steht es mir nicht zu über Hip-Hop Worte zu verlieren. Nie war diese Musikrichtung wirklich sooo bedeutend für mich, dass ich meine gekauften CDs dieses Genres bestens an zwei Händen abzählen kann. Trotzdem versuche ich mal “Der Wille lenkt die Tat” von TAPETE so gut wie mir nur irgendwie möglich zu verkaufen und meine Eindrücke so gut wie möglich wiederzugeben.
Für mich ist als erstes positiv zu bemerken, dass man dem Sprechgesang noch gut folgen kann. Viele Hip-Hop-Acts faseln so schnell daher, dass ich mich schon äußerst konzentrieren muss um wirklich alles gesagte verarbeiten zu können. Ich hasse das, Stress pur, das macht doch keinen Spaß! Nein, sowas ist nix für mich. TAPETE zeigt sehr schön, dass es auch anders geht, denn die Texte werden gut verständlich ins Mic gebracht und es braucht keine spezielle Meditationtechnik um alles vom Text inhaltlich zu erfassen.
Den Anfang macht “Drückeberger”, welcher sehr locker&funkig daherkommt und die Einstellung von TAPETE wohl klarstellen soll: Freiheit, Selbstsicherheit und Faulheit!?! Keine Bombe, aber ein interessanter Einstieg. Bei “Dienstleistungserschleichung” gibts keine Schonzeit mehr. Mit fetten Bässen und klaren Texten gibts direkt auf die Zwölf. Gewaltlos in den Strafvollzug sag ich nur. Leider ist die Nummer vielvielviel² zu kurz!!!! Die nächste Nummer “Dein Atem” bringt dem BPM-Zähler wieder etwas runter und lädt zum chillen, wobei dier Textfluss für mich hart an der Grenze ist. Inhaltlich gehts um ein altes aber immer akutelles Thema, wobei der Sound des Tracks schön trostlos und unverbraucht wirkt, genau richtig also. Das Ende überrascht mit einem klanglich wunderbaren Mini-Chor. Die “Schuldenfalle” bleibt im selben Tempo, jedoch geht es dort weitaus düsterer zu. Klanglich sowie Textlich. Dazu fällt mir folgendes ein:
Reicher Mann und armer Mann
standen da und sah´n sich an.
Und der Arme sagte bleich:
Wär´ ich nicht arm, wärst du nicht reich.
Bertolt Brecht
In dem etwas schneller und lauterem “Schwarzfahrt” wird klar zur Strafttat aufgerufen: Schwarzfahren. In meinem Fall würde das zu einer monatlichen Ersparnis von aktuell 60,80EUR führen. Dieser “Respekt” gegenüber Fahrscheinkontrolleuren, welcher im Lied erwähnt wird, finde ich persönlich auch anwidernd. Dieses Geldgierige und Quotenjagende Verhalten von vielen Kontrolleuren die mir begegnet sind, verdient nun wirklich keinen solchen hoch wirkenden Respekt. Teilweise wirkt es sogar wie Angst, obwohl man einen gültigen Fahrausweis dabei hat. Eigentlich sollte es deren Aufgabe sein in höflichen Ton um meinen Fahrausweis zu bitten, immerhin kaufe ich diesen für nicht wenig Geld und finanziere somit ihre Arbeit. Ein Verhalten, ganz so als ob von Anfang an ein Schuldverdacht vorliegt, ist jedoch in den meisten Fällen der maßgebende Ton. Wenn ich dieses teure Stück Papier schon vorzeigen soll, dann möchte ich auch bitte persönlich in einem netten Ton angesprochen und gebeten werden, anders geht bei mir nix. Soviel dazu, nun weiter zu “Zombies”. Hier wird der im Strom schwimmende Mensch zum Inhalt gemacht. TURN OFF THE TV!!!
Im längsten Stück “Perfekt” scheint die ganze Energie des Albums zu fokussieren. Soundlich auf jeden fall, denn hier bekommt man zum ersten mal wirkliche Tiefe mit mehreren Soundebenen geboten, wirklich fett & perfekt.
Bei “Geld” dreht es sich um die Abhängigkeit dieses im Prinzip wertlosen Lappens Papier. Jeder sollte mal genau darüber nachdenken wie Abhängig er ist. Auch ist vielen völlig unklar wie reich sie im Vergleich zur Weltbevölkerung eigentlich sind. Wer es genau wissen mag, sollte mal hier gucken.
“Vitamin D” gibt dann endlich mal wieder Zeit zum lächeln, wippen und Sonne scheinen lassen. Bei genauerer textlicher Analyse bekommt es allerdings ein düsteren Beigeschmack, eine sehr stimmige Mischung.
“Gegner in” hat sich mir noch nicht ganz erschlossen, insofern mag ich garnicht mehr dazu schreiben, aber es handelt sich wohl um FREE YOUR MIND!!!
Der Titelsong “Der Wille lenkt die Tat” beinhaltet wohl die gesammte Aussage des Albums komprimiert in diesen Track. Ein schmeicheln für alle Selbstbestimmer und Infokrieger.
“und der Atem lenkt die Glieder” ist wieder etwas minimaler vom Sound. Ein gelungener Abschluss.
Dieses Album ist eine Runde Sache und für alle Hip-Hop begeisterten Menschen zu empfehlen, denen es um Selbsterkenntnis geht und nicht um das beleidigen anderer. Leider gehen mehr als die Hälfte der Tracks nicht länger als drei Minuten und dann und wann hätte etwas mehr Soundgetüftel den ein oder anderen Track sicherlich noch mehr hervorgehoben, doch dies sind meine Ansprüche, ich bin sicher TAPETE hat für sich genau das richtige getan. Respekt.
Falls ihr nach dem Album noch nicht genug von TAPETE habt, so solltet ihr hier fündig werden, denn das Album war nicht das erste welches er unter CC veröffentlicht hat. Viel Spass damit!!!
